Warum ist (Vor)lesen so wichtig?

Nachdem zu diesem Thema viele Frage aufgetreten sind, greife ich es gleich auf: Zuallererst muss ich festhalten, dass das Vorlesen und später das gemeinsame Lesen die Bindung zu unseren Kindern stärkt. Es gibt nichts Schöneres als ein Buch zu nehmen, sich zusammen zu setzen und ein Buch gemeinsam zu erforschen.

Das Logo der Lesewerkstatt ist rund und beinhaltet ein Buch, aus dem Werkzeuge wie Hammer und Zange sowie Buchstaben herauskommen. Um das Symbol herum steht "Die Lesewerkstatt - vorlesen, mitlesen, selbst lesen".

Was ich unter erforschen verstehe? -Wenn ich persönlich beginne ein Buch zum ersten Mal zu lesen (ja, ich lese viele Bücher mehrmals, nicht nur Kinderbücher), ist das wie ein Ritual: Ich setze mich in Ruhe nieder, mache es mir gemütlich, greife es an. Ich finde den haptischen Aspekt enorm wichtig, wie ist das Papier auf dem gedruckt wurde, wie ist der Einband gestaltet, welche Informationen kann ich dem Cover entnehmen. Wenn ich einen Roman lese, überlege ich welche anderen Werke ich von diesem Autor/ dieser Autorin schon gelesen habe oder manchmal denke ich kurz über andere Werke aus demselben Verlag nach.

Ähnlich – nicht ganz so detailreich – gehe ich auch an Kinderbücher heran. Zuerst schauen wir uns das Cover an, ich erkläre, was wir sehen und besonders wichtig ist mir, dass Kinder von Beginn an lernen, dass ein Buch einen Autor/ eine Autorin hat und wo diese Information zu finden ist. Wenn es ein Buch aus einer Reihe ist, erkennen die Kindern dann auch bald selbst Parallelen zu anderen Büchern aus dieser Reihe. Diese gemeinsame Beschäftigung mit dem Buch stellt schon so eine intensive Bindung zwischen uns und dem Kind/ den Kindern her.

Natürlich gibt es zu diesem Thema auch einen wissenschaftlichen Aspekt: Viele Studien belegen, dass Kinder, denen viel vorgelesen wird, später auch lieber selbst lesen. Hier sind auch wir Eltern als Vorbilder gefragt: Wenn Kinder sehen, dass wir lesen, werden sie es auch eher annehmen, als wenn wir nur vor dem Computer sitzen.

 

Das Vorlesen als Ritual ist nicht zu unterschätzen: Rituale geben Kindern Sicherheit und wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, gibt ihnen letztlich auch das regelmäßige Vorlesen Sicherheit. Daher ist es sehr wichtig, dass wir nicht aufhören unseren Kindern vorzulesen, sobald sie selbständig lesen können! Das Vorlesen und das selbständige Lesen sollen unbedingt parallel erfolgen.

 

Gemeinsames Lesen macht auch einfach Spaß. Da Kinder eine andere Wahrnehmung haben als wir Erwachsenen. Sie gehen an die Themen völlig unvoreingenommen heran und so können wir viel von ihnen lernen. Wir haben leider bei so vielen Themen schon eine vorgefasste Meinung, dass wir den Horizont mancher Werke gar nicht (mehr) wahrnehmen können.

 

Natürlich fördert das Vorlesen auch die Sprach- und Lesekompetenz unserer Kinder. Hier geht es weniger darum, was wir ihnen vorlesen, als um die Tatsache, dass wir ihnen vorlesen. Oft sind es auch kurze Werbetexte, aus denen wir viel herausholen können an Inhalt. Hier können auch Wortspiele gut erklärt werden, oft kommen auch Redewendungen zum Einsatz. Es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten des Vorlesens und alle haben ihre Daseinsberechtigung. Ich bin auch der Meinung, dass es keine schlechten Texte gibt. Manche sind sprachlich gelungener als andere, aber durch das Besprechen im Anschluss an das Lesen kann vieles geklärt werden. Wir kommen also mit unseren Kindern über gelesene Texte ins Gespräch, somit widmen wir ihnen Zeit, beschäftigen uns mit ihnen und schenken ihren Ansichten Gehör. -Alleine diese Aspekte machen das Vorlesen unentbehrlich!

 

In diesem Sinne habt einen schönen März und lest euren Kindern ganz viel vor! Langsam soll es ja auch wieder wärmer werden und so können wir mehr Zeit im Freien verbringen! -Eventuell mit einem guten Buch auf einer Parkbank sitzend…

 

Eure Julia

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